In einem kleinen Dorf am Rande eines funkelnden Waldes lebte eine ungewöhnliche Ziege namens Gego. Auf den ersten Blick sah sie aus wie jede andere Ziege – mit grauem Fell, sanften Augen und einem frechen Bärtchen. Doch wer genau hinsah, bemerkte, dass ihre Hörner im Mondlicht schimmerten und dass kleine Funken um ihre Hufe tanzten, wenn sie über das Gras lief.
Niemand im Dorf wusste, woher Gego kam. Eines Morgens war sie einfach da – auf der Wiese hinter der alten Mühle, friedlich grasend, als gehöre sie schon immer dorthin. Die Kinder liebten sie sofort, denn Gego konnte Dinge, die keine gewöhnliche Ziege konnte. Wenn sie blökte, begannen Blumen zu wachsen, selbst im tiefsten Winter. Wenn sie mit ihrem Huf aufstampfte, sprudelte klares Wasser aus dem Boden. Und wenn sie lachte – ja, Gego konnte lachen! – dann wurde die Luft warm und duftete nach Honig und frischen Äpfeln.
Doch Gego hatte ein Geheimnis. Jede Nacht, wenn das Dorf schlief, wanderte sie in den Wald. Dort traf sie auf die Waldgeister, mit denen sie flüsternd sprach. Sie war die Hüterin der Natur, auserwählt, das Gleichgewicht zwischen Mensch und Magie zu bewahren. Wenn jemand Gier oder Zorn in sich trug, konnte Gego das spüren – und sie wusste genau, wie man solch dunkle Gefühle wieder in Güte verwandelte.
Eines Tages jedoch kam eine große Dürre über das Land. Die Flüsse trockneten aus, die Felder verdorrten. Die Dorfbewohner verzweifelten, und selbst die Kinder lächelten nicht mehr. Da stellte sich Gego auf den höchsten Hügel, hob ihren Kopf zum Himmel und rief mit einem mächtigen Blöken die Wolken herbei. Ein Regenbogen erschien – und mit ihm kam ein warmer, sanfter Regen, der das Land wieder zum Leben erweckte.
Seit diesem Tag wird Gego nicht nur als Ziege, sondern als Wächterin des Lebens verehrt. Und wenn in stillen Nächten der Wind über die Wiesen weht, kann man manchmal ein leises Lachen hören – das Lachen von Gego, der magischen Ziege.
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